600 Afghanen warten weiter
Fünf Jahre nach der Taliban-Rückkehr sitzen laut DW noch rund 600 afghanische Ortskräfte und Angehörige in Kabul und Peschawar fest. Nach dem Aufnahmestopp der neuen Bundesregierung 2025 wächst ihre Verzweiflung.
Fünf Jahre nach der Rückkehr der Taliban ist das Versprechen deutscher Politiker für viele afghanische Ortskräfte zur bitteren Enttäuschung geworden. Während einige Betroffene inzwischen in Deutschland in Sicherheit leben, warten andere noch immer auf ihre Ausreise. Nach Angaben der DW harren rund 600 Afghaninnen und Afghanen weiterhin in Peschawar und Kabul aus.
Zwischen Rettung und Stillstand
Ein Beispiel ist Ahmad Samim, der früher als Tontechniker für die Bundeswehr gearbeitet hatte. Er lebt heute in Deutschland und arbeitet als Rezeptionist in einem Hotel. Deutschland habe ihm geholfen, sagt er, zugleich macht er klar: Wer Hilfe verspreche, müsse auch dazu stehen. Anders ist die Lage bei Javad Niazi, der für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit tätig war. Er sitzt mit seiner Familie noch immer im pakistanischen Peschawar fest.
Seine Lage beschreibt er laut DW als ausweglos. Die Ersparnisse seien verbraucht, eine Aufenthaltsgenehmigung habe er nicht. Aus Angst vor pakistanischen Sicherheitskräften verlasse die Familie ihre Unterkunft kaum noch. Einkäufe erledige der 14-jährige Sohn erst bei Dunkelheit. Schule, Arztbesuche oder normale Wege durch die Stadt seien praktisch nicht möglich.
Aufnahmestopp verschärft die Not
Besonders schwer wiegt für die Betroffenen der Kurswechsel in Berlin. Die neue Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD unter Kanzler Friedrich Merz verhängte im Mai 2025 einen Aufnahmestopp für afghanische Ortskräfte. Damit wurden frühere Zusagen politisch faktisch kassiert.
- August 2021: Taliban übernehmen wieder die Macht in Afghanistan
- Mai 2025: neue Bundesregierung stoppt weitere Aufnahmen
- August 2026: noch immer warten etwa 600 Menschen auf Ausreise
Ein halbes Jahr nach dem Stopp wandten sich die Zurückgebliebenen laut DW sogar mit einem Hilferuf direkt an den Kanzler. Für viele geht es nicht mehr nur um Bürokratie, sondern um Sicherheit, Alltag und Überleben. Die zentrale Frage bleibt: Was ist ein deutsches Versprechen noch wert, wenn es für Hunderte Menschen in Kabul und Peschawar nicht mehr gilt?
Foto: Wikimedia Commons / Steffen Prößdorf, CC BY-SA 4.0