Angst vor Blutbad in al-Obeid
Im Sudan wächst die Furcht vor einem weiteren Massaker in der Stadt al-Obeid. Nach neuen Drohnenangriffen mit laut Zeugen acht Drohnen wurden zwei Menschen getötet, während die UNO vor einer Katastrophe in Nordkordofan warnt.
Im sudanesischen al-Obeid wächst die Angst vor einer neuen Eskalation. Die Stadt im heftig umkämpften Bundesstaat Nordkordofan ist laut Zeugen erneut aus der Luft attackiert worden. Gegenüber Reuters berichteten sie von acht Drohnen, auf die die Luftabwehr der Armee reagiert habe. Nach Angaben von Medizinern kamen dabei zwei Menschen ums Leben, weitere wurden verletzt.
Die Sorge ist deshalb so groß, weil die RSF-Miliz in den vergangenen Wochen mit Drohnen und Belagerungstaktiken versucht haben soll, die Kontrolle über die strategisch wichtige Stadt zu übernehmen. Auch aus Khartum und anderen Orten, darunter Atbara im Nordosten, wurden Drohnenangriffe gemeldet. Laut Reuters sind es die ersten Berichte dieser Art seit Mai. Eine offizielle Stellungnahme der RSF gibt es bisher nicht, auch die sudanesische Armee äußerte sich zunächst nicht.
Kordofan im Zentrum des Kriegs
Der Bürgerkrieg zwischen der Armee von Abdel Fattah al-Burhan und der RSF seines früheren Stellvertreters Mohamed Hamdan Daglo dauert inzwischen mehr als drei Jahre. Zehntausende Menschen wurden getötet, mehr als elf Millionen sind auf der Flucht. Während die Armee vor allem das Zentrum und den Osten des Landes kontrolliert, hat die RSF ihre Stellung in Darfur im Westen ausgebaut. Dazwischen liegt Kordofan – und genau dort konzentrieren sich die Kämpfe seit Monaten.
- Mehr als 1.000 Tote in Kordofan seit Jahresbeginn laut UNO
- Rund 500.000 Einwohner in al-Obeid
- Zuletzt zusätzlich etwa 100.000 Vertriebene in der Stadt
UNO warnt vor „Katastrophe“
Beobachter erinnern dabei an die Einnahme von al-Faschir im vergangenen Herbst. Nach Angaben des UNO-Menschenrechtsbüros wurden dort damals innerhalb von drei Tagen mehr als 6.000 Menschen getötet. Eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen sah in den Gewalttaten der RSF Anzeichen für einen Völkermord.
Al-Obeid gilt als besonders wichtig, weil durch die Stadt zwei zentrale Versorgungsstraßen verlaufen – Richtung Khartum im Norden und von Darfur in westlicher Richtung zu Gebieten im Osten. Die UNO hatte schon Anfang Juli vor einer „Katastrophe“ gewarnt: Die Stadt sei seit 18 Monaten belagerungsähnlichen Bedingungen ausgesetzt, und nur ein Teil der Menschen habe ausreichend Zugang zu Lebensmitteln. UNO-Menschenrechtskommissar Volker Türk rief deshalb eine rote Alarmstufe aus und forderte internationale Anstrengungen, um neue Gräueltaten zu verhindern.