Hansy Vogt und Frau Wäber: 15 Jahre „Immer wieder sonntags“ mit Stefan Mross
Er ist der Sunnyboy vom Feldberg, sie die Dame mit dem rosa Hut — und beide sind derselbe Mensch. Hansy Vogt über Die Feldberger, den Verlust von Chris und fünfzehn Jahre Frau Wäber bei „Immer wieder sonntags“ an der Seite von Stefan Mross im Ersten.
Er ist der Sunnyboy vom Feldberg. Sie ist die Dame mit dem rosa Hut, die alles sagen darf, was er nicht sagen kann. Und beide sind derselbe Mensch.
Es beginnt mit einem Missverständnis, das keines ist. Wer Frau Wäber im Fernsehen sieht, erfährt über sie so gut wie nichts. Sie fragt die Leute aus, sie erzählt Witze, sie bringt einen Saal binnen Sekunden zum Lachen — aber über sich selbst gibt sie nichts preis. „Von Ihnen erfährt man gar nichts“, sagt der Moderator. Sie sagt: „Das gehört auch so.“
Wer dagegen Hansy Vogt gegenübersitzt, bekommt alles: das Dorf, die Musik, den Verlust, die Zweifel, die Zahlen. Zwei völlig verschiedene Menschen — und doch derselbe.
Der Berg gibt den Namen

Hansy Vogt wird am 25. Dezember 1967 im Hochschwarzwald geboren, am Feldberg. Der Vater ist musikalisch, die Mutter auch, sämtliche Brüder lernen ein Instrument. Er spielt im Dorf, er spielt Theater in der Schule, und schon mit vierzehn, fünfzehn steht er bei den Heimatabenden auf der Bühne, sagt die Titel der Kapelle an, erzählt Witze, macht Späße.
„Es gibt einfach Menschen, die trauen sich, auf die Bühne zu stehen“, sagt er. Seine Vorbilder heißen Rudi Carell und Peter Alexander — die Großen, die immer etwas im Ärmel hatten, um es im richtigen Moment herauszuholen. „Das ist einfach immer wichtig: die Leute zu überraschen.“
Gelernt hat er allerdings etwas ganz anderes. Bäcker und Konditor. Erst 1987 wechselt er ins Showgeschäft.
Ein Jahr später, im Mai 1988, steht er beim Frühlingsfest in Linach zum ersten Mal mit den Feldbergern auf der Bühne — mit Robert Strittmater, Lothar Böhler und Christoph Laubis. Der Berg, an dem er aufgewachsen ist, gibt der Band den Namen. Daraus werden über dreißig Jahre.
Der Bruch
2020 ist nicht nur Corona. In diesem Jahr verunglückt Chris, der Akkordeonspieler und Gründungsmitglied, im Wald. Nach der Operation wacht er nicht mehr auf.
„Das war natürlich ein großer Schock“, sagt Vogt. „Wir hatten Corona, wir hatten den Verlust von Chris, und ich habe schon über dreißig Jahre das gemacht.“ Er entscheidet, allein weiterzugehen. Nicht aus Ehrgeiz, sondern weil in dieser Band Chris nicht zu ersetzen war.
„Der liebe Herrgott hat diese Tür zugemacht, hat aber meine Tür geöffnet.“
1998: eine zweite Person

Die Tür, die sich öffnet, hat er selbst gebaut — zwei Jahrzehnte vorher. 1998 erfindet er Frau Wäber. Damals ist sie eine Nummer im Programm, eine Rolle unter mehreren. Heute steht sie auf eigenen Plakaten.
Er erklärt es am liebsten mit einem Schwarzwälder Wetterhäuschen. Früher waren darin das Bollenhut-Mädchen und der Schwarzwald-Bub. Heute sind es Hansi und Frau Wäber: „Wenn es regnet, komme ich. Und wenn die Sonne scheint, kommt Frau Wäber.“
Seit dem Jahr 2000 gehört auch das Bauchreden dazu. Die kleine Schwarzwaldmarie ist eine Puppe in Original-Schwarzwälder Tracht, die sagt, was sie will, und Fragen stellt, die sonst niemand stellen würde.
Fünfzehn Jahre „Immer wieder sonntags“ mit Stefan Mross
2004 beginnt seine Zeit beim SWR: Sonntagstour, Fröhlicher Feierabend, fast zehn Jahre Sonntagnachmittag im Südwesten. Und sonntagmorgens läuft in der ARD etwas anderes: über fünfzehn Jahre lang spielt er bei „Immer wieder sonntags“ mit Frau Wäber eine Sketch-Reihe, an der Seite von Opa Ross und Stefan Mross.
Zehntausend Sketche hat er bis heute geschrieben. Live, jeden Sonntagmorgen, drei bis dreieinhalb Minuten. „Man ist so nervös, weil man weiß: es ist live. Wenn man jetzt irgendwie den falschen Text sagt, funktioniert das nicht.“ Oder es wird noch lustiger — aber nur, wenn die Pointe gut ist.
Frau Wäber erzählt dieselbe Geschichte kürzer: „Die haben mich angerufen und gesagt: Frau Wäber, kommen Sie und bringen Sie die Leute ein bisschen zum Lachen.“
„Immer wieder sonntags“ endet 2026 — das Aus nach 31 Jahren
„Immer wieder sonntags“ wird vom SWR produziert und läuft sonntagvormittags im Ersten und in der ARD-Mediathek, live aus dem Europa-Park in Rust. Moderiert wird die Show seit 2005 von Stefan Mross. Nach mehr als drei Jahrzehnten ist im Sommer 2026 Schluss: SWR und ARD setzen das Format aus finanziellen und strategischen Gründen ab 2027 nicht fort. Die letzte Staffel begann am 31. Mai 2026 mit dreizehn Live-Sendungen, das große Finale läuft am 6. September 2026, die Best-of-Ausgabe am 13. September.
Für Hansy Vogt endet damit eine der längsten Serien seines Berufslebens: die Sketche als Frau Wäber, an der Seite von Opa Ross und Stefan Mross, jeden Sonntagmorgen live, drei Minuten lang — gebaut aus zehntausend selbst geschriebenen Pointen.
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Der Botschafter und die Kirschtorte

2008 wird Hansy Vogt zum Schwarzwald-Botschafter ernannt. Dazu kommen der MDR-Herbert-Roth-Preis, die ARD-Schlagerparade, der Grand Prix guter Laune und der Schwarzwald-Musikanten-Pokal.
Dass ausgerechnet ein gelernter Konditor Botschafter einer Region wird, deren bekanntester Export eine Torte ist, gehört zu den Pointen, die das Leben selbst schreibt.
Was bleibt
Über fünfzig Titel hat er veröffentlicht. Auf der neuen Platte sind Balladen, die jahrelang in der Schublade lagen. „Ich war ja immer der Spaßmacher. Und da zeige ich noch mal eine ganz andere Seite von mir.“
Privat, sagt er, ist er ein sehr, sehr ruhiger Mensch. Zwei Kinder, seit einunddreißig Jahren mit derselben Frau verheiratet, keine Skandale. Eines der Lieder hat er für seine Kinder geschrieben, als sie noch ganz klein waren. Jetzt verlassen sie das Haus.
Und Frau Wäber? Die hat am Ende des Gesprächs das letzte Wort, wie immer: „Das war das schwierigste Interview, das ich in meinem Leben gemacht habe. Aber auch das schönste.“
Das Porträt „Hansy Vogt & Frau Wäber“ ist auf FOLX TV zu sehen — mit Ausschnitten aus dem FOLX Stadl und dem Gipfelstammtisch. Bilder: FOLX Stadl, Bad Tölz 2023.
