Helmut Lethen mit 87 gestorben
Der deutsche Germanist und Kulturwissenschaftler Helmut Lethen ist im Alter von 87 Jahren in Wien gestorben. Bekannt wurde er vor allem mit „Verhaltenslehren der Kälte“ und leitete bis 2016 ein Forschungszentrum in Wien.
Der deutsche Germanist und Kulturwissenschaftler Helmut Lethen ist tot. Wie sein Verlag Rowohlt Berlin mitteilte, starb er am heutigen Tag im Alter von 87 Jahren in Wien. Lethen galt als eine der markanten Stimmen der deutschsprachigen Kulturwissenschaft.
Prägendes Werk zur Zwischenkriegszeit
Besonders bekannt wurde Lethen mit seiner 1994 erschienenen Studie „Verhaltenslehren der Kälte“. Darin untersuchte er am Beispiel von Autoren wie Bertolt Brecht, Ernst Jünger und Helmuth Plessner, wie in der Weimarer Republik nach dem Zusammenbruch von Moral und Traditionen Haltungen der Härte und Distanz propagiert wurden.
Zu seinen weiteren wichtigen Veröffentlichungen zählten das Gottfried-Benn-Porträt „Der Sound der Väter“ aus dem Jahr 2006 sowie „Der Schatten des Fotografen“. Für dieses autobiografisch geprägte Buch, in dem er sich unter anderem mit Robert Capas Kriegsfotografien beschäftigte, erhielt er 2014 den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch.
Lehre, Forschung und Wien
Lethen wurde 1939 in Mönchengladbach geboren. Von 1977 bis 1996 lehrte er an der Universität Utrecht, später übernahm er einen Lehrstuhl für Neueste Deutsche Literatur in Rostock. In Wien war er ebenfalls eng mit dem Wissenschaftsbetrieb verbunden: Von 2007 bis 2016 leitete er das Internationale Forschungszentrum Kulturwissenschaften.
- Geboren: 1939 in Mönchengladbach
- Lehre in Utrecht: 1977 bis 1996
- Forschungszentrum in Wien geleitet: 2007 bis 2016
Sein Verlag würdigte Lethen als prägenden Denker der Gegenwart und als charismatischen Vertreter seines Fachs. Mit seinem Tod verliert die deutschsprachige Kulturwissenschaft einen Autor, der wissenschaftliche Analyse und persönliche Perspektive auf besondere Weise miteinander verband.
Foto: Wikimedia Commons / Lesekreis, CC0