Jonny Hill: Die wahre Geschichte von »Ruf Teddybär eins-vier« – der Hit, den keiner wollte
Jonny Hill erzählt im FOLX Stadl, warum »Ruf Teddybär eins-vier« fast nie erschienen wäre – und was er der ZDF-Hitparade nie verziehen hat.
Jonny Hill hat mehr als 500 Titel aufgenommen – doch ausgerechnet sein größter Hit, »Ruf Teddybär eins-vier«, wäre beinahe nie erschienen. Im Interview mit FOLX TV im FOLX Stadl (Februar 2024) erzählt der Country- und Schlagersänger, wie er die fertige Aufnahme seinem Direktor bei der Plattenfirma vorspielte. Die Antwort: „Diese Scheiße nur über meine Leiche.“
Elvis, Baccara – und dann kam der Teddybär
Die Plattenfirma in Hamburg war damals auf ganz andere Musik eingestellt: Elvis, das spanische Duo Baccara, George McCrae. „Also die ganze Firma war auf rockig und anders eingestellt. Und dann kam ich mit Teddybär“, sagt Hill. Das Lied ist die deutsche Fassung von »Teddy Bear« des US-Countrysängers Red Sovine (1976): Ein behinderter Junge, dessen Vater Fernfahrer war, funkt nachts die Trucker an – sein Rufname ist „Teddybär“. Den deutschen Text schrieb Hill selbst. Laut Radio SRF Musikwelle wusste er, wovon er sang: Er ist selbst Vater eines behinderten Sohnes.
Radio Luxemburg spielte ihn zuerst
Die Single erschien trotzdem, doch viele Radiosender spielten sie nicht. „Die ersten, die das gespielt haben, war Radio Luxemburg“, erinnert sich Hill. 1979 stand er dreimal in der ZDF-Hitparade bei Dieter Thomas Heck: im März auf Platz 20, im April auf Platz 6, im Juni auf Platz 3. Eines hat er dem Regisseur der Sendung nie verziehen: „Er hat jedes Mal wegen der Zeitlänge die letzte Strophe rausgeschnitten.“ Ausgerechnet die Strophe, in der sich die Mutter des Jungen bei den Fahrern bedankt – für Hill der wichtigste Teil des Liedes. In den deutschen Single-Charts erreichte »Ruf Teddybär eins-vier« Platz 8 und hielt sich 25 Wochen, dazu gab es eine Goldene Schallplatte.
Kein zweiter Freddy Quinn
Angefangen hatte der 1940 in Graz geborene Sänger in Hamburg. Produzent Lotar Olias wollte ihn Ende der 1960er-Jahre als Pendant zu Freddy Quinn aufbauen. „Das waren Seemannslieder, das waren Schlager, das war ich nicht. Ich war immer, immer schon ein Geschichtenerzähler, weil ich vom Rock’n’Roll kam“, sagt Hill im Interview. Er wurde Country-Sänger, mit Liedern wie »Rosen für Mama« oder »Dieser Weg führt nach Haus«. Im FOLX Stadl stellte er 2024 sein Lied »Solang er noch weiß, wer ich bin« vor, geschrieben, nachdem er einen seiner besten Freunde an Alzheimer verloren hatte.
Abschied von Helga
Im selben Interview erzählte er stolz: „Ich habe nur einmal geheiratet, die Richtige.“ Ende Oktober 2025 starb seine Frau Helga, nach 62 gemeinsamen Jahren. In einem Video auf Facebook sagte Hill, sie werde „als hellster Stern am Himmel weiter leuchten“.
Jonny Hill mit 86
Jonny Hill ist inzwischen 86 Jahre alt und lebt im Kanton Thurgau in der Schweiz. Ende September 2026 besuchte er Freddy Quinn persönlich zu dessen 95. Geburtstag und teilte ein gemeinsames Foto auf Facebook. Ans Aufhören dachte er schon im FOLX Stadl nicht: „Ich werde noch nicht aufhören, ich habe noch Spaß dazu.“
Quellen: Interview FOLX TV / FOLX Stadl (15. Februar 2024), Radio SRF Musikwelle (»Titelgeschichte: Die Wahrheit hinter ›Ruf’ Teddybär eins–vier‹«, 14. Januar 2019), ZDF-Hitparade (5. März, 2. April und 11. Juni 1979), hitparade.ch, Wikipedia (Jonny Hill), Blick (11. Dezember 2025), schlager.de (2. Oktober 2026), Nordbayern (13. Oktober 2026).
