„Ich habe keinen Plan B“ – Melissa Naschenweng 2014 in unserem Studio

„Ich habe keinen Plan B“ – Melissa Naschenweng 2014 in unserem Studio

Am 17. Oktober 2014 saß Melissa Naschenweng drei Stunden lang in unserer Livesendung FOLX !nteraktiv. Das Gespräch liegt seither in unserem Archiv. Wir veröffentlichen es erstmals als 20-Minuten-Fassung und vergleichen, was aus ihren Sätzen von damals geworden ist.

Am Freitag, dem 17. Oktober 2014, saß Melissa Naschenweng in unserem Studio. Drei Stunden live, mit Zuschaueranrufen, in der Sendung FOLX !nteraktiv. Sie war 24 Jahre alt, hatte ihre pinke Steirische mitgebracht und erzählte Moderator Daniel Müller ihre Geschichte von Anfang an: von der Geburt in Villach bis zu den ersten großen Bühnen.

Die Aufzeichnung liegt seit damals in unserem Archiv. Es ist unser eigenes Material, dieses Gespräch hat sonst niemand. Aus den drei Stunden haben wir eine 20-minütige Fassung geschnitten, in der nur sie zu Wort kommt. Wir veröffentlichen sie heute zum ersten Mal.

Melissa Naschenweng 2014 im FOLX-Studio, Interview ansehen auf YouTubeDas Interview von 2014 ansehen auf YouTube

Damals: „Ich habe zuerst wirklich spielen können als lesen“

Geboren wurde sie in Villach. „Am 11.07.1990 habe ich das Licht der Welt erblickt“, sagt sie im Gespräch, „und die Musik eigentlich schon damals in die Wiege gelegt bekommen.“ Vater und Großvater spielten, der Vater wurde ihr erster Lehrer, streng, aber wirkungsvoll. „Ich habe dann mit sechs Jahren eine Harmonika bekommen, noch mit drei Reihen, ganz eine kleine“, erzählt sie. Nach Noten lernte sie nie: „Ich habe zuerst wirklich spielen können als lesen.“

Mit neun Jahren stand sie zum ersten Mal in einem Tonstudio. Die paar Stücke, die sie damals konnte, wollte sie aufnehmen; fünf Lieder wurden es, als Weihnachtsüberraschung für Oma, Opa, Papa und Mama.

Damals: Die Harmonika war „total uncool“

„Dass ich die Harmonika gespielt habe, muss ich wirklich ehrlich zugestehen, war dann in der Zeit so mit zwölf, dreizehn total uncool“, sagt sie. Sie sei fast die Einzige gewesen, die als Mädchen auf einer Ziehharmonika gespielt habe. Irgendwann stellte sie der Vater vor die Entscheidung, ob sie weitermachen wolle. Ihre Antwort, im Rückblick erzählt: „Egal, was die anderen sagen, ich spiele auf meiner Steirischen, egal, wie uncool das ist.“ Sie sei dankbar, sich selbst treu geblieben zu sein und das getan zu haben, „was ich als Lesachtalerin cool finde“.

Über das Instrument selbst sagt sie an anderer Stelle: „Es ist meine zweite Hälfte. Also ohne Harmonika bin ich selten irgendwo anzutreffen. Sie ist meistens im Kofferraum dabei, weil man weiß ja nie.“

Damals: Zwei Minuten Musikantenstadl und ein Flug nach Shanghai

„Diese zwei Minuten im Musikantenstadl damals haben eigentlich alles verändert“, sagt sie über ihren ersten großen Fernsehauftritt. „Ich habe mir nie gedacht, was jetzt zwei Minuten Fernsehen bewirken.“ Ihr Handy habe sie danach zweimal am Tag aufladen müssen, ihr Vater habe sie gebeten, es einmal zur Seite zu legen.

Dann rief ihr Manager an: eine Anfrage für Audi-Präsentationen in Shanghai. „Jeder weiß jetzt nicht, wo das Lesachtal ist, aber ich wohne in den Bergen. Wir haben 1500 Einwohner im gesamten Tal, und ich bin noch nie geflogen vorher.“ Sie stieg mit dem Harmonikakoffer in München ins Flugzeug: „In Shanghai bin ich dann gestanden und habe mir gedacht: Melissa, was machst du da?“

Damals: „Ich habe keinen Plan B mehr“

Leicht war der Weg nicht. „Es war nicht immer leicht, vor allem am Anfang“, sagt sie, „weil nicht alle daran geglaubt haben, aber ich sehr wohl.“ Ihre Antwort darauf ist ein Satz, der zwölf Jahre später wie ein Programm klingt: „Man muss gar nicht den Weg kennen, sondern nur sein Ziel.“

Sie hatte Jus studiert und wollte diese Zeit nicht missen. Getauscht hätte sie sie trotzdem nie: „Ich glaube an meinen Plan A, ich habe keinen Plan B mehr.“

Damals: „Mein Traum ist schon erfüllt“

Auf die Frage nach dem großen Traum antwortete sie mit 24 Jahren ohne Zögern: „Mein Traum ist schon erfüllt.“ Und dann: „Also mein Traum ist es einfach, gesund zu bleiben und die Musik einfach weiterzumachen, meine Lieder zu schreiben und mit meiner Musik Herzen zu berühren.“

2014 war für sie ein Jahr der ersten Male: eine Kreuzfahrt mit Andreas Gabalier, Bühnen mit Helene Fischer, Beatrice Egli und Nik P., dreimal unterwegs mit Hansi Hinterseer, dazu ein Auftritt im Vorprogramm von „Wenn die Musi spielt“ vor 12.000 Menschen. Auf neue Musik angesprochen, sagte sie: „Ich schreibe immer noch an meinen Liedern, und es wird natürlich nächstes Jahr ein Album geben.“

Heute: Was aus diesen Sätzen geworden ist

Aus dem Plan A ist eine der größten Karrieren im deutschsprachigen Volksmusik- und Schlagergeschäft geworden. Ihr Album „Alpenbarbie“ erschien am 10. Jänner 2025 bei Ariola/Sony Music und stieg in Österreich auf Platz eins ein, in der Schweiz auf Platz zwei und in Deutschland auf Platz acht, ihr erstes Top-10-Album dort. Nach „Wirbelwind“ (2019), „LederHosenRock“ (2020) und „Glück“ (2022) war es ihr viertes österreichisches Nummer-eins-Album in Folge.

Am 6. März 2026 bekam sie in der Wiener Marx Halle ihren achten Amadeus Austrian Music Award, den siebenten in Folge in der Kategorie Schlager/Volksmusik. Im November 2024 spielte sie in der Münchner Olympiahalle, am 29. Juni 2025 stand sie bei ihrem Heimkonzert in der Klagenfurter Ostbucht vor 4.500 Menschen. Seit dem 3. Juni 2026 steht eine Wachsfigur von ihr bei Madame Tussauds in Wien.

Dazu kam das Fernsehen. In „Herzklang – Zurück zu mir“ spielte sie ihre erste Filmhauptrolle; die Premiere am 4. April 2026 in ORF 1 sahen bis zu 503.000 Menschen, im Schnitt 454.000 bei 21 Prozent Marktanteil. Die Fortsetzung „Herzklang – Gegenwind“ wurde ab 6. Juli 2026 gedreht und ist für 2027 geplant. Und im Dezember moderiert sie gemeinsam mit Dominik Glöbl erstmals die Weihnachtsshow „Zauberhafte Weihnacht im Land der Stillen Nacht“, sieben Jahre lang war das der Sendeplatz von DJ Ötzi.

Was sich so nicht erfüllt hat

Ein Satz von 2014 blieb offen. Das für das folgende Jahr angekündigte Album kam nicht. Ihr nächstes Studioalbum erschien erst 2017: „Kunterbunt“, jene Platte, die in Österreich auf Platz drei ging und mit der der Durchbruch begann.

Das ganze Interview

Die 20-minütige Fassung des Gesprächs steht ab sofort auf unserem YouTube-Kanal. Die vollständige Sendung vom 17. Oktober 2014 liegt dort seit dem 21. Oktober 2014. Am Ende des Interviews holt Melissa Naschenweng ihre pinke Steirische aus dem Koffer und spielt im Studio, sie sagt in dieser Sendung über die Volksmusik: „Es ist total cool, Volksmusik, super, modern.“

Video und Bild: FOLX TV Archiv, FOLX !nteraktiv vom 17. Oktober 2014.