Sabbat-Streit ums Café
Vor einem Café in Jerusalem stehen sich an jedem Sabbat Ultraorthodoxe und säkulare Israelis gegenüber. Der Streit um das geöffnete Lokal zeigt, wie hart der Konflikt um Religion und Freiheit in Israel geworden ist.
Ein kleines Café in Jerusalem ist zum Symbol eines großen gesellschaftlichen Konflikts geworden. Vor dem Café Basimta im Viertel Nachlaot kommt es seit Wochen an jedem Samstag zu Protesten: ultraorthodoxe Juden demonstrieren gegen die Öffnung am Sabbat, während säkulare Israelis gezielt dort hingehen, um genau dieses Recht zu verteidigen.
Die Polizei trennt beide Lager regelmäßig mit Absperrungen. Für Unterstützerinnen wie Laura Wharton geht es dabei nicht nur um Kaffee am Ruhetag, sondern um die Frage, wie frei säkulare Juden ihren Alltag in Israel gestalten können. Nach ihrer Sicht ist der Café-Besuch am Sabbat legal – und Ausdruck eines Lebensstils, der ebenfalls seinen Platz in der Gesellschaft haben müsse.
Mehr als nur ein Lokal
Das Basimta liegt in einem Hinterhof und wird von Menschen betrieben, die mit der Organisation „Juden für Jesus“ verbunden sind. Die aus Berlin stammende Adel Ben David führt das Café gemeinsam mit ihrem Mann Yoel Ben David. Für sie sind die wöchentlichen Proteste belastend, doch ein Einlenken kommt für das Paar nicht infrage. Sie befürchten, dass eine Schließung andere Demonstranten ermutigen könnte, noch mehr Orte unter Druck zu setzen.
- Ort des Konflikts: Café Basimta in Jerusalems Viertel Nachlaot
- Worum es geht: Öffnung am Sabbat
- Beteiligte: Ultraorthodoxe Protestierende und säkulare Gegendemonstranten
Ein Streit mit Signalwirkung
Der Konflikt zwischen religiösen und säkularen Israelis ist zwar nicht neu, bekommt aber durch den demografischen Wandel zusätzliches Gewicht. Laut Bericht machen Ultraorthodoxe heute mehr als 14 Prozent der Bevölkerung aus. Bis 2050 könnte ihr Anteil auf etwa ein Viertel steigen. Für viele säkulare Israelis ist das nicht nur eine Zahl, sondern eine offene Frage über die Zukunft ihres Landes.
Auch Besucher wie Haim Omri sehen in dem Streit deshalb mehr als eine lokale Auseinandersetzung. Für sie steht das Café inzwischen sinnbildlich für den Kampf darum, wie stark religiöse Gruppen das öffentliche Leben bestimmen dürfen – und wie viel Raum liberale, demokratische und säkulare Lebensweisen in Israel künftig noch haben.