Siedlergewalt eskaliert
Im Westjordanland hat die Gewalt israelischer Siedler gegen Palästinenser seit dem Hamas-Überfall und dem Gaza-Krieg stark zugenommen. Laut UNO wurden von Jänner 2025 bis Ende Juni 2026 3.033 Siedlerangriffe registriert.
Die Lage im Westjordanland hat sich für viele Palästinenserinnen und Palästinenser massiv verschärft. Seit dem Angriff der Hamas auf Israel und dem folgenden Gaza-Krieg ist auch die Gewalt durch israelische Siedler deutlich angestiegen. Berichtet wird von Überfällen, zerstörten Häusern sowie Attacken auf Moscheen und Schulen. Für viele Betroffene gehört die Bedrohung inzwischen zum Alltag.
Radikalisierung mit politischem Rückhalt
Nach Einschätzung im ORF-Bericht hat sich die israelische Siedlerbewegung in den vergangenen Jahren weiter radikalisiert. Unterstützung kommt dabei auch aus der Regierung. Besonders genannt wird Finanzminister Bezalel Smotritsch, unter dem die finanziellen Mittel für Siedlungen stark ausgeweitet wurden. Hinzu kommt eine enge ideologische Nähe zwischen Regierung und radikalen Siedlern.
Eine zusätzliche Brisanz entsteht durch die enge Verflechtung mit der Armee: Viele Siedler dienen selbst im Militär, teils direkt im Westjordanland. NGOs und israelische Medien berichten deshalb immer wieder, dass Soldaten bei Angriffen auf palästinensische Dörfer nicht einschreiten oder sich teils sogar beteiligen. Die israelische NGO Be’Tselem bringt das mit der Formel „Siedlergewalt = Staatsgewalt“ auf den Punkt. Auch der Thinktank INSS spricht inzwischen von „jüdischem Terror“.
Zahlen zeigen das Ausmaß
Die Daten des UNO-Nothilfebüros OCHA zeichnen ein klares Bild für den Zeitraum von Jänner 2025 bis Ende Juni 2026:
- 303 getötete Palästinenser und 18 getötete Israelis
- 5.407 verletzte Palästinenser und 118 verletzte Israelis
- 2.402 zerstörte palästinensische Häuser oder andere Besitztümer
- 7.045 vertriebene Palästinenser durch diese Zerstörungen
- 3.033 Angriffe israelischer Siedler mit Opfern oder Sachschäden
Am Donnerstag bezogen Soldaten laut Bericht Stellungen in mehreren palästinensischen Wohnhäusern im Dorf Kusra, um die Bevölkerung zu schützen und die Lage zu sichern. Zuvor hatte es geheißen, eine Familie sei zum Verlassen des Orts gezwungen worden. Während israelische Siedler und Regierungsstellen den Palästinensern Terrorismus vorwerfen, sehen NGOs und Beobachter in den immer öfter bewaffneten und teils koordinierten Siedleraktionen eine systematische Einschüchterung.